1. Was ist Sheabutter?

Sheabutter ist ein festes und - wie der Name schon sagt - butterartiges Fett pflanzlichen Ursprungs. Sie wird aufgrund ihrer pflegenden Eigenschaften häufig in Kosmetikprodukten verwendet. Egal ob in einer Creme, einem Lippenbalsam oder einer Bodylotion - Sheabutter wirkt äußerst einhüllend, schützend und macht die Haut sehr weich.

Auch das französische Wort für Sheabutter - Karitébutter - ist bei uns sehr verbreitet und wird bisweilen als Synonym verwendet. Auf deinen Kosmetikprodukten wirst du sie unter ihrem geläufigen botanischen Namen

  • “Butyrospermum Parkii”

finden. Seltener werden auch andere lateinische Namen gebraucht

  • “Butyrospermum paradoxa” oder
  • “Vitellaria paradoxa”.

Letzteren wären zwar die botanisch gesehen “richtigeren” Bezeichnungen, jedoch ist “Butyrospermum Parkii” schon so geläufig, dass dieser Name wohl noch lange erhalten bleibt.

Woher kommt Sheabutter?

Sheabutter wird aus den Nüssen des Sheabaumes (oder Karitébaumes) gewonnen. Die Bäume wachsen vor allem in den trockenen Savannen Zentralafrikas - in der sogenannten Sub-Sahelzone (zB Burkina Faso, Ghana oder Uganda). Sheabutter wird von den Einheimischen dort schon seit jeher traditionell von Hand gewonnen und zum Kochen, zur Körper- und Haarpflege verwendet.

2. Wie wird Sheabutter hergestellt?

Sheanüsse enthalten neben Fett einen geringen Wasseranteil. Dieser, wenn auch geringe Wasseranteil, kann zu unerwünschtem Schimmelbefall führen. Deshalb wird Sheabutter meistens nach dem Transport aus Afrika in Europa vor der Weiterverarbeitung nochmals raffiniert. Durch die Raffinierung werden Restwasser und andere unerwünschte Stoffe entfernt, negative Gerüche neutralisiert (bezeichnet als desodorierte Sheabutter) und auch die Farbe aufgehellt.

Sheabutter raffiniert oder unraffiniert?

Übrig bleibt ein weißes, gerade noch streichfähiges Fett, welches auf der Haut einerseits fettig wirkt, aber dafür gut einzieht und einen samtig-schützenden Film hinterlässt.

Unraffinierte Sheabutter wirst du eher seltener in den Regalen finden. Diese enthält vielleicht noch mehr sekundäre Pflanzenstoffe als ihr raffiniertes Pendant, kann jedoch schneller verkeimen bzw. könnte schon verkeimt sein, wenn du sie kaufst.

Beim Kauf von unraffinierter Sheabutter ist es wichtig, besonders auf eine gute und seriöse Quelle zu achten. Ein verkeimtes Produkt kann deiner Haut bei weitem mehr schaden, als die sekundären Pflanzenstoffe wieder wettmachen könnten.

Außerdem sind raffinierte Öle und Butter bei allergiebereiter Haut vorzuziehen, da sie auch weniger potenzielle Reizstoffe und Allergene enthalten.

Übrigens hat die Raffinierung nichts mit bio oder konventionell zu tun. Auch Öle aus biologischer Herkunft können desodoriert oder raffiniert sein.

3. Woraus besteht Sheabutter?

Wie jedes pflanzliche Fett besteht Sheabutter aus überwiegend aus Triglyceriden.

Ein Triglycerid ist eine Verbindung aus drei Fettsäuren (Tri-) und Glycerin (-glycerid).

Je nach Fettsäurezusammensetzung unterscheiden sich die unterschiedlichen Öle in ihren Eigenschaften. Ein hoher Anteil von einfach- oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren führt zu einem flüssigen Öl. Ein hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren führt zu festen Fetten bzw. Buttern.

Demnach enthält Sheabutter einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, wobei den Hauptanteil einfach ungesättigte Ölsäure bildet.

Sheabutter enthält Stearinsäure, Palmitinsäure, Ölsäure, Linolsäure und Unverseifbares.

Hier siehst du eine durchschnittliche Zusammensetzung von Sheabutter.

Formuliert in Kosmetikprodukten zeichnet sich ein Öl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren dadurch aus, dass es gut in die Haut einzieht und die Haut weich macht.

Gesättigte Fettsäuren hingegen sind wachsartig und bilden auf der Haut einen pflegenden und schützenden Film aus, der auch Feuchtigkeit einschließen kann.

Sheabutter ist also ein toller Allrounder, da sie sowohl weichmachende als auch schützende Eigenschaften mitbringt. Vielleicht ist dir im Diagramm aber noch etwas aufgefallen: Fast verschwindend gering, aber doch entscheidend - das Unverseifbare.

4. Die regenerierende Wirkung von Sheabutter

Was bedeutet “unverseifbar”?

Dieser Begriff stammt tatsächlich von der Seifenherstellung. Bei dieser werden Öle mit Lauge “verseift”. Chemisch betrachtet reagieren aber nur die Fettsäuren eines Öls mit der Lauge. Es gibt aber immer einen gewissen Anteil, dem die Lauge "egal" ist - er reagiert einfach nicht damit. Das bedeutet, die Stoffe im Unverseifbaren bleiben erhalten - und das ist gut so, denn es handelt sich bei diesen Stoffen um sehr interessante Wirkstoffe.

Beispielsweise finden wir viele der wertvollen sekundären Pflanzenstoffe im Unverseifbaren. Auch Tocopherole (Vitamin E), welche antioxidative Eigenschaften mitbringen, finden wir dort. Und tatsächlich zeichnet sich Sheabutter mit ca. 2 % durch einen vergleichsweise hohen Gehalt an Unverseifbaren aus.

Triterpene

Was aber das Unverseifbare der Sheabutter so besonders macht, sind ihre speziellen Triterpene. Triterpene ist ein Überbegriff für verschiedene Phytosterole (= Phytosterine).

Diese Substanzen sind besonders interessant wegen ihrer beruhigenden, regenerierenden und feuchtigkeitsbindenden Eigenschaften. Sie sind die pflanzlichen Pendants zu körpereigenen Sterolen, welche nicht nur in der Haut vorkommen.

Phytosterol und Cholesterol

Ein Sterol, welches du sicher kennst, ist Cholesterol - vielleicht besser bekannt als Cholesterin. Diesem haftet meist ein etwas schlechter Ruf an, da viele es mit einem zu hohen Laborwert im Blut verbinden.

Doch Cholesterol ist ein sehr wichtiger Stoff für unseren Körper. Es ist ein lebenswichtiges Lipid, welches an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt ist und außerdem die Grundstruktur - und damit die Vorstufe - für viele Hormone bildet.

Aber auch in der Haut und im Hautfett (Sebum) ist es essenziell. Es sorgt zB für eine starke Hautbarriere und schützt vor Feuchtigkeitsverlust. Es ist eine sehr harte, wachsige Substanz, die wegen ihrer Eigenschaften auch als Kosmetikwirkstoff verwendet wird.

Cholesterol ist jedoch immer tierischer Herkunft. Es kommt beispielsweise im Lanolin (Wollfett) des Schafes vor, welches seit jeher als regenerierende Salben- und Cremegrundlage in der Hautpflege, aber auch in medizinischen Salben verwendet wird, da es eine große Menge Wasser aufnehmen kann und Wirkstoffeigenschaften gleich mitbringt.

Sicher hast du schon mal von Eucerit™ gehört. Das ist ein Markenrohstoff der Firma Baiersdorf und besteht nur aus Vaseline und Lanolin. Eucerin ist eine altbewährte Salben- und Cremegrundlage für zahlreiche medizinische Rezepturen, auch für eine sehr berühmte (blaue) Creme.

Sind dir natürliche oder vegane Inhaltsstoffe wichtig, dann sind unverseifbare Anteile von Pflanzenöl eindeutig die bessere Wahl. Phytosterole sind in ihrer chemischen Struktur den menschlichen Sterolen sehr ähnlich, werden somit sehr gut vertragen und haben ebenso eine äußerst positive Wirkung in der Hautpflege.

Besonders wertvoll: Sheabutterextrakt

Ihre Wirkung ist so toll, dass das Unverseifbare sogar aus der Sheabutter extrahiert wird und extra als Wirkstoff verwendet wird. Bezeichnet wird dies als Sheabutterextrakt. Durch die Extraktion wird die Wirkung stark gesteigert und man kann die positive Kraft der Sterole hochdosiert einsetzen, für eine maximal regenerierende Pflegewirkung.

Du findest diesen spannenden Wirkstoff zB in unserer Cosphera Hyaluron Retinol Performance Creme. Dort setzen wir es als beruhigenden Wirkstoff ein, was in Kombination mit Retinol empfehlenswert ist.

Außerdem schützt Sheabutterextrakt die Haut sogar vor Belastungen durch Luftverschmutzung und reduziert den hauteigenen Kollagenabbau durch die Hemmung von abbauenden Enzymen. Auf diese Weise können wir diesen multifunktionalen Wirkstoff als umfassenden Anti-Aging Wirkstoff betrachten.

Bei der Wirkung auf die Haut spielt die Fettsäurezusammensetzung der Karitébutter eine große Rolle. Die schützenden gesättigten Fettsäuren in Kombination mit den weichmachenden ungesättigten Fettsäuren machen Sheabutter zum idealen Wirkstoff-Öl für trockene und regenerationsbedürftige Haut.

5. Sheabutter Verwendung

Sheabutter wird aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften vor allem in Kosmetikprodukten verwendet.

Kann man Sheabutter auch essen?

Die Antwort lautet ja. Sheabutter kann zum Kochen verwendet werden. Traditionell wird sie in der afrikanischen Küche häufig als Speisefett verwendet. Sheabutter ist streichfähig und hat einen neutralen Geruch. Außerdem ist sie sehr hoch erhitzbar (Rauchpunkt bei 210 °C) und kann auch unraffiniert zum Braten und Kochen verwendet werden.

Geschmacklich darfst du dir aber kein Highlight erwarten. Auch gesundheitlich bietet Sheabutter keine nennenswerten Vorzüge. Im Gegenteil: Aus gesundheitlicher Sicht sind feste Fette mit ihren gesättigten Fettsäuren in großer Menge nicht unbedingt vorteilhaft. Deshalb solltest du, was Öle betrifft, zum Kochen doch eher auf die regionalen Spezialitäten wie Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl zurückgreifen.

Aktuell ist sie deshalb eher seltener in Lebensmitteln zu finden (oft zB in veganem Streichfett), doch das könnte sich in Zukunft ändern.

Aufgrund der generell steigenden Nachfrage nach Fetten und der damit einhergehenden Nachfrage nach Palmöl könnte Sheabutter eine interessante Rolle spielen, Palmöl teilweise zu ersetzen. Dies könnte in Zukunft zumindest eine Teilantwort auf die große Nachfrage nach Ölrohstoffen bieten, welche bis jetzt hauptsächlich durch Palmöl gestillt werden kann.

Außerdem enthält Sheabutter eine ähnliche Fettsäurezusammensetzung zu Palmöl (nicht zu verwechseln mit Palmkernöl). Dies ist beispielsweise in der Lebensmittelindustrie wichtig, wo feste, jedoch streichbare Fette gebraucht werden. Denke nur mal an einen allseits beliebten Schoko-Nuss-Aufstrich! Flüssige oder ganz feste Öle können hier leider nicht zum Einsatz kommen. Daher ist Palmöl leider nicht so leicht zu ersetzen und deshalb gibt es auch die bekannte Palmöl-Thematik.

6. Mythen rund um Sheabutter, die wir aufklären möchten

Ein paar Gerüchte und Mythen um Sheabutter wollen wir an dieser Stelle auch noch aufklären:

Sheabutter trocknet die Haut aus

Wie eben erwähnt, schließen alle Fette Feuchtigkeit in der Haut ein. Die Sterole im Unverseifbaren der Sheabutter wirken zusätzlich feuchtigkeitsbindend. Wenn Sheabutter also auf feuchte Haut bzw. als Teil eines wasserhältigen Kosmetikproduktes (zB Creme/Emulsion) ist, helfen die Sterole, die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.

Reine Öle bzw. Buttern (Lipide), aufgetragen auf die trockene Haut, sind nicht empfehlenswert - zumindest nicht als alleinige Pflege und bei regelmäßiger Anwendung. Da unsere Hautzellen in eine Lipidstruktur eingebettet sind, können reine Öle mit dieser Lipidschicht interagieren und körpereigene Fette herauslösen.

So wird auf Dauer die Hautbarriere geschwächt und der transepidermale Wasserverlust wird erhöht.

Achte deshalb immer auf eine regelmäßige Pflege mit wasserhaltigen Produkten wie Emulsionen oder Seren. Ab und zu darfst du dir aber schon auch ein reines Öl gönnen. Du kannst es auch mit deiner Creme mischen oder nach der Creme bzw. dem Serum auftragen. So kannst du die vorher aufgetragene Feuchtigkeit in der Haut versiegeln.

Sheabutter wirkt komedogen

Tatsächlich stimmt das nicht! Man könnte glauben, dass Sheabutter, so schützend wie sie wirkt, auch die Poren verstopft - aber das tut sie gar nicht. Dabei wirken viele Pflanzenöle leicht bis sehr komedogen.

Beispielsweise fühlt sich Kokosöl viel leichter und “einziehender” auf der Haut an, doch es wirkt stark komedogen. Kakaobutter ist wiederum in der Zusammensetzung der Sheabutter recht ähnlich, doch wirkt diese viel stärker komedogen.

Es ist also nicht immer so leicht zu sagen, was ein Stoff macht, rein beurteilt nach optischen und sensorischen Gesichtspunkten.

Wusstest du zB dass Vaseline und Silikone auch nicht komedogen wirken? Kaum zu glauben, aber wahr!

Beachte aber, dass es nicht immer auf einzelne Stoffe ankommt, ob das gesamte Produkt im Endeffekt auf deiner Haut komedogen wirkt oder nicht. So kann zB eine kleine Menge Kakaobutter, gut einformuliert in eine Creme, ihre porenverstopfende Wirkung verlieren. Auch wirkt nicht jeder Stoff auf jeder Haut gleich und Tests, die die Komedogenität eines Stoffes beurteilen, wurden teils leider nicht nur auf menschlicher Haut durchgeführt, weshalb die Aussagekraft zu bezweifeln ist.

Lichtschutzfaktor von Sheabutter

Es gibt tatsächlich pflanzliche Fette, die einen geringen Lichtschutzfaktor (LSF=SPF) aufweisen.

Doch bedenke:

  • dieser ist minimal,
  • du müsstest das Fett pur und dick auf die Haut auftragen
  • und eingearbeitet in Emulsionen, wäre die Wirkung aufgrund der geringen Menge stark minimiert.

Kein Pflanzenöl kann moderne Sonnenfilter ersetzen und diese müssen sorgfältigst in ein funktionierendes Sonnenschutzprodukt einformuliert werden, damit die erforderlichen Standards erfüllt werden. Den Lichtschutzfaktor von Sheabutter vergisst du also am besten gleich wieder! 😉

7. Sheabutter und ihre Alternativen

Pflanzliche Butterarten gibt es viele: Kakaobutter, Shoreabutter, Cupuacubutter, Mangobutter uvm.

Doch keine ist so verbreitet in der Kosmetik wie Sheabutter. Das liegt sicher auch daran, dass sie so gut verfügbar ist. Andere Butterarten sind da schon etwas exotischer. So wie jedes Öl anders ist, sind auch die Buttern unterschiedlich. Sie sind unterschiedlich fest, enthalten unterschiedliche Fettsäuren und auch unterschiedliche Begleitstoffe. Der hohe Anteil an Unverseifbaren macht Sheabutter jedoch zu einem interessanten und wirkungsvollen Pflegestoff für unsere Haut.

Natürlich haben auch andere Fette ihre Stärken. Zum Beispiel hat Shoreabutter ebenso einen hohen Anteil an wertvollen, unverseifbaren Anteilen. Sie ist noch fester als Sheabutter und bietet daher einen stärker ausgeprägten Schutzfilm. Überzeuge dich davon in unserer Hyaluron Performance Nachtcreme. Dort verwenden wir aus genau diesem Grund Shoreabutter - sie wirkt extra einhüllend und schützt die Haut über die ganze Nacht.

Fazit

Sheabutter ist ein hervorragendes Pflegelipid für Gesicht, Körper und auch Haar. Aufgrund der enthaltenen langkettigen gesättigten Fettsäuren hat sie ihre buttrige Konsistenz und wirkt im Gegensatz zu flüssigen Ölen besonders schützend, einhüllend und feuchtigkeitsbewahrend. Die wertvollen Phytosterole im unverseifbaren Anteil sind eine wahre Wirkstoffbombe und verleihen Sheabutter ihre bekannten, regenerativen und beruhigenden sowie Anti-Aging-Eigenschaften. Besonders, wenn sie in ihrer konzentrierten Form, dem Sheabutterextrakt, eingesetzt werden. Gerade trockene, sensible und reife Haut profitiert besonders von Sheabutter und wird dank ihr wieder schmeichelweich, glatt und gut geschützt.

Grether-Beck S, Mühlberg K, Brenden H, Krutmann J. Topische Applikation von Vitaminen, Phytosterolen und Ceramiden. Schutz vor vermehrter Expression der interstitiellen Kollagenase und verminderter Kollagen-I-Expression nach 1-maliger UVA-Bestrahlung [Topical application of vitamins, phytosterols and ceramides. Protection against increased expression of interstital collagenase and reduced collagen-I expression after single exposure to UVA irradiation]. Hautarzt. 2008 Jul;59(7):557-62. German. doi: 10.1007/s00105-008-1554-7. PMID: 18528670.