1. Was ist Glycerin?

Glycerin ist chemisch gesehen ein Alkohol und wird in Kosmetikprodukten wie Cremes und Duschgelen, aber auch in Mundhygiene-Produkten wie Zahnpasta oder Mundwasser als Feuchthaltemittel verwendet. Man nennt es auch Glycerol.

Glycerin bzw. Glycerol hat die Strukturformel C3H8O3.

Glycerin ist zB in Zahnpasta enthalten und trägt dazu bei, diese vor dem Austrocknen zu schützen.

Die Endsilbe -ol deutet in der Chemie immer darauf hin, dass es sich um einen Alkohol handelt.

Alkohol in Kosmetik? Trocknet Alkohol nicht die Haut aus?

Alkohole sind chemisch gesehen eine große Gruppe von Stoffen - mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften.

Der bekannteste Alkohol ist Ethanol (Trinkalkohol). Dieser wird auch in Kosmetik verwendet und ja, dieser wirkt in höheren Konzentrationen austrocknend. Doch es gibt auch andere Alkohole.

Wusstest du, dass jeder Zucker auch ein Alkohol ist?

Haushaltszucker, Trauben- oder Fruchtzucker und auch Zuckeraustauschstoffe wie Xylit und Erythrit sind chemisch gesehen Alkohole.

Bezeichnet werden diese ganz korrekt als Xylitol, oder Erythritol. An der Endsilbe erkennst du, dass auch Zucker Alkohole sind.

Diese Alkohole wirken aber nicht austrocknend. Im Gegenteil: Sie wirken sogar wasseranziehend (hygroskopisch) und sorgen dafür, dass es nicht so leicht verdunsten kann. So bleibt die Feuchtigkeit länger erhalten.

Glycerin ist auch ein Alkohol und schmeckt sogar süß. Das lässt schon sehr auf die Verwandtschaft zu seinen “süßen Kollegen” schließen.

Der süße Geschmack ist sogar manchmal eine gewünschte Eigenschaft. Beispielsweise in Zahnpasta oder Mundwasser. Glycerin wird hier als mildes Süßungsmittel verwendet und ist nicht kariogen - schadet also nicht unseren Zähnen. Was Glycerin noch alles kann, wollen wir uns jetzt ansehen.

2. Was bewirkt Glycerin auf der Haut?

Den Begriff “Feuchthaltemittel” kannst du tatsächlich wörtlich nehmen.

Feuchthaltemittel halten feucht.

Einerseits unsere Haut - damit können wir Austrocknung und Feuchtigkeitsverlust vorbeugen. Andererseits hält es auch Kosmetikprodukte wie Cremen und Zahnpasten feucht.

Glycerin in Kosmetik auf der Haut.

Glycerin dringt tief in die Haut ein und speichert dort Feuchtigkeit.

Wenn du zB vergisst, den Tiegel oder die Tube zuzuschrauben, kann der Inhalt schon mal austrocknen. Glycerin wirkt diesem Effekt entgegen. Es ist eines der ältesten, bekanntesten und bewährtesten Feuchthaltemittel.

Auf der Haut aufgetragen, dringt Glycerin zusammen mit Wasser teilweise in die oberen Hautschichten ein und kann dort Feuchtigkeit aus der Umgebung anziehen und binden. Das Wasser wird also auf und in der Haut gebunden und die Haut bleibt langanhaltend gepflegt.

Glycerin in Shampoos

Auch in Reinigungsprodukten wie Shampoos, Dusch- und Waschgels wirst du meistens Glycerin finden. In solchen “Rinse-off-Produkten” spielt jedoch die feuchtigkeitsspendende Rolle eher eine geringe Rolle, da das Produkt größtenteils mit dem Wasser wieder abgewaschen wird.

Doch dafür wirkt es Hautreizungen entgegen und mildert die austrocknende Wirkung der reinigenden Tenside. Und der erste Schritt zu einer befeuchteten Haut ist, die vorhandene Feuchtigkeit dort zu lassen, wo sie hingehört. So einfach - so effektiv!

3. Ist Glycerin schädlich?

Hast du schon mal gehört, dass Glycerin deine Haut austrocknen kann? Im Netz kursieren oft Aussagen wie “Glycerin wirkt austrocknend” und “Glycerin ist schädlich oder gar giftig”.

Wie so oft versteckt sich hinter diesen Aussagen ein wahrer Kern, doch man sollte immer genau hinsehen.

Wie bei unserem Beispiel vom Alkohol kommt es auf die Konzentration an. Glycerin ist wirklich sehr hygroskopisch:

Pur auf die Haut aufgetragen, würde es sofort die Feuchtigkeit aus der Haut anziehen und dazu leicht hautreizend wirken. Doch in der richtigen (verdünnten) Konzentration wirkt es keineswegs hautreizend und kann durch seine wasserbindenden Eigenschaften seine Vorteile ausspielen.

Oft liest man, Glycerin trockne ab einer Einsatzkonzentration von über 30 % die Haut aus. Tatsächlich ergab eine Studie, dass sogar Einsatzkonzentrationen bis 60 % noch feuchtigkeitsspendend und -erhaltend wirken. Erst bei über 70 % stellt sich ein austrocknender Effekt auf die Haut ein [1].

Doch: In der Praxis enthalten Kosmetikprodukte üblicherweise 3 - 6 % Glycerin - also weit entfernt von den Testbedingungen dieser Studie.

Stimmt es, dass Glycerin die tieferliegenden Hautschichten austrocknet?

Glycerin kann bei einer höheren Luftfeuchtigkeit das Wasser aus der Luft anziehen und auf der Haut speichern. Das wäre der absolute Idealfall!

Doch was macht es bei einer trockenen Umgebungsluft (welche wir in Mitteleuropa nun mal haben)?

Unter einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 % ziehen Feuchthaltemittel Feuchtigkeit nicht aus der Luft, sondern aus tieferen Hautschichten an die Hautoberfläche und halten diese dort fest. Das bedeutet jedoch NICHT, dass die Haut in der Tiefe deshalb trockener wird.

Die feinen Blutgefäße in unserem Bindezellgewebe sorgen durch die Blutzirkulation dafür, dass auch tiefe Hautschichten weiterhin mit Feuchtigkeit versorgt werden. Die Haut in den tieferen Schichten trocknet also nicht aus.

Damit das gut funktioniert, ist es hilfreich, wenn du ausreichend trinkst. Aber lass uns hier gleich mit einem weiteren Mythos aufräumen, nämlich dass ein erhöhter Getränkekonsum die Haut stärker aufpolstert.

Übermäßiges Trinken polstert deine Haut NICHT mehr auf als die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Menge von etwa 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag.

Dein Körper reguliert den Wasserhaushalt ohnehin so, wie er ihn benötigt. Trinkst du also mehr als nötig, wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach einfach häufiger die Toilette aufsuchen.

4. Wie wird Glycerin hergestellt?

Glycerin ist ein Stoff, der reichlich in der Natur vorkommt, und zwar in Ölen.

Jedes pflanzliche, tierische oder menschliche Fett besteht, einfach gesagt, aus Fettsäuren und Glycerin.

Man nennt diese Verbindungen auch “Triglyceride”. Vielleicht kennst du diesen Begriff auch als Wert deiner letzten Blutuntersuchung im Labor.

Durch chemische Spaltung der Fettmoleküle ist es möglich, an das Glycerin heranzukommen. Das passiert zB bei der Herstellung von Seife oder bei der Bio-Diesel-Gewinnung (hier fällt reichlich Glycerin an!).

Glycerin kann auch synthetisch aus Erdölderivaten hergestellt werden, jedoch findet man in Kosmetikprodukten überwiegend aus Pflanzenfetten gewonnenes Glycerin, da diese Qualität reichlich am Rohstoffmarkt vorhanden ist. In unserer veganen Wirkstoffkosmetik findest du selbstverständlich nur pflanzliches Glycerin.

5. Gibt es Alternativen zu Glycerin in der Kosmetik?

Feuchthaltemittel findest du aus den besprochenen Gründen sehr häufig in deinen Kosmetikprodukten. Sie sind eigentlich die “Basiswirkstoffe”, die deiner Haut die nötige Feuchtigkeit liefern, die sie braucht.

Alle anderen tollen Wirkstoffe bekommst du sozusagen “on top” und bringen dir unterschiedlichste Nutzen.

Häufig wird Glycerin jedoch durch andere Feuchthaltemittel ersetzt oder ergänzt. Vielleicht sind dir schon mal folgende Inhaltsstoffe in der INCI deiner Produkte aufgefallen:

  • Propanediol
  • Propylene Glycol
  • Butylene Glycol
  • Pentylene Glycol
  • Xylitylglycoside, Anhydroxylitol, Xylitol (Markenrohstoff Aquaxyl)
  • Sodium PCA

Und das ist nur eine kleinere Auswahl häufiger Feuchthaltemittel in Kosmetik.

Alle Feuchthaltemittel wirken recht ähnlich und haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Manche wirken zB zusätzlich antibakteriell und verlängern die Haltbarkeit des Produktes.

Glycerin in Pflanzenextrakten

Alkohol, die oben genannten Feuchthaltemittel und Glycerin landen manchmal auch indirekt in deiner Kosmetik, und zwar als Extraktionsmittel für Pflanzen.

Pflanzenextraktion mit Glycerin.

Bei der Extraktion werden die Wirkstoffe aus der Pflanze gewonnen.

Um die wertvollen Wirkstoffe aus einer Pflanze zu lösen, werden Blüten, Stängel, Wurzeln oder Kerne in ein Extraktionsmittel eingelegt. Es entsteht eine “Wirkstoff-Lösung”, die wir in der Kosmetik als natürlichen Wirkstoff einsetzen können.

Glycerin ist ein hervorragendes Extraktionsmittel. Verwendet man ein Pflanzen-Extrakt auf Glycerin-Basis, bringt dieses auch die feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften von Glycerin mit.

In unserer Hyaluron Performance Creme findest du beispielsweise Traubenkernextrakt in Glycerin. Dies ist eine natürliche Quelle für antioxidatives OPC, welches in Glycerin gelöst besonders gut in die Haut eindringen kann.

Deine Creme klebt auf der Haut?

Ein weiterer Punkt: Vielleicht ist dir schonmal aufgefallen, dass manche Produkte leicht auf der Haut kleben, bis sie eingezogen sind?

Alle Feuchthaltemittel fühlen sich grundsätzlich nach dem Auftragen kurz mehr oder weniger klebrig auf der Haut an. Doch genau diese verhelfen deiner Haut zu mehr Feuchtigkeit.

Wenn dich also das Kleben stört, denke daran, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit vom Feuchthaltemittel kommt. Vielleicht hilft dir das, diesen Effekt in Zukunft etwas positiver zu betrachten.

6. Wie du von Glycerin profitierst

Glycerin unterstützt die Wirkung anderer feuchtigkeitsspendender Wirkstoffe und spendet dir dadurch ein Maximum an Feuchtigkeit.

Glycerin und Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist zu Recht ein sehr beliebter Wirkstoff und Feuchtigkeitsspender. Glycerin wird deutlich weniger gehypt als dieser Power-Wirkstoff, obwohl es ebenso überaus wirksam ist und unsere Haut straff und geschmeidig hält.

Ist es sinnvoll, diese zwei Feuchtigkeitsspender zu kombinieren?

Die Antwort ist ein ganz klares “JA”!

Die Moleküle von Glycerin sind unglaublich klein - unter 100 Dalton (= Da - das ist die Einheit, in der die Molekülgröße angegeben wird). Durch ihre geringe Größe können sie besonders einfach in die Haut eindringen.

Hyaluronsäure existiert in unterschiedlichen Größen:

  • hochmolekular,
  • niedermolekular und sogar
  • ultra-niedermolekular.

Doch selbst das kleinste Hyaluronsäure-Molekül ist viele Tausend Dalton groß und damit ein Vielfaches größer als Glycerin und dringt daher nicht ganz so tief in die Haut ein.

Dafür kann Hyaluronsäure ein Vielfaches an Wasser binden wie ein Schwamm. Glycerin kann das nicht, löst sich jedoch schnell im Wasser und dringt, wie schon erwähnt, tiefer in die Hornschicht der Haut (Stratum Corneum) ein.

Glycerin, hoch- und niedermolekulare Hyaluronsäure dringen unterschiedlich tief in die Haut ein.

Hochmolekulare Hyaluronsäure ist vorwiegend an der Hautoberfläche zu finden, während niedermolekulare aufgrund ihrer kleineren Molekülgröße bis in die obere Hornschicht gelangt und Glycerin sogar noch tiefer eindringt.

Kombiniert man die Vorteile beider Wirkstoffe, können wir

  • die Hautoberfläche
  • die obere Hautschicht
  • und tiefere Hautschichten

optimal und langanhaltend mit Feuchtigkeit versorgen.

So wird die Haut von innen und außen befeuchtet und wirkt praller und weicher. Trockenheits- und Spannungsgefühle haben keine Chance!

Glycerin und Aquaxyl

Doch nicht nur Hyaluronsäure und Glycerin sind gute Partner. Auch Aquaxyl, einem hochaktiven Wirkstoff und Feuchthaltemittel, konnte in Verbindung mit Glycerin eine verbesserte feuchtigkeitsspendende Wirkung nachgewiesen werden.

Sowohl die Kurzzeit- als auch die Langzeit-Feuchtigkeitswirkung der Haut wird um ca. 30 % verbessert als mit Glycerin alleine [2].

Diese unschlagbare Kombination aus Glycerin, Hyaluronsäure und Aquaxyl findest du zB in unseren Vitamin C Performance Produkten.

Fazit

Glycerin ist der stille Held in deinen liebsten Cremen, Seren und Reinigungsprodukten. Als altbewährtes Feuchthaltemittel spendet es, richtig dosiert, zuverlässig Feuchtigkeit, hält die Haut geschmeidig und glättet sie.

Auf diese Weise können andere Wirkstoffe wie Hyaluronsäure ihre Stärken noch besser ausspielen und wirken in Kombination mit Glycerin synergistisch (also verstärken sich gegenseitig). Auch wenn Glycerin selten auf deiner Creme oder deinem Serum prominent ausgelobt wird - es wirkt!